Ein Artikel aus dem Pfarrbrief Ostern 2010 von Elisabeth Huppmann
Im Oktober 2010 unternahmen 38 Mitglieder unserer Pfarreiengemeinschaft unter der Leitung von Pfr. Dariusz Cwik eine Pilgerreise ins Heilige Land. Einige TeilnehmerInnen berichten uns über die besondere Bedeutung dieser Reise und ihre Gefühle, im Land Jesu zu sein. Auch persönliche Begegnungen und die Fahrt durch das Westjordanland spielen für die Pilger eine große Rolle.
Eindrucksvoll in Erinnerung sind mir mehrere Erlebnisse geblieben:
° Die Bootfahrt über den See Genezareth. Hier waren wir einmal allein als Pilgergruppe auf dem Boot. Es gab kein Gedränge und Geschiebe, keiner musste in der Warteschlange anstehen, den Touristenlärm konnten wir für diesen Moment hinter uns lassen. Das Rauschen des Wassers, ein leichter Wind, das Rund-panorama auf dem See mit Blick auf den Berg der Seligpreisungen, hinüber nach Tabgha und nach Kapharnaum, das tat meiner Seele gut. Der Text aus dem Markusevangelium vom Gang Jesu über das Wasser, genau an der Originalstelle gelesen, das waren Momente, in denen ich Glauben greifbar erlebt habe. Die wenigen Minuten der Stille nach dem Evangeliumstext, unterbrochen nur durch das Wellengeräusch und einer leichten Brise – gerne hätte ich diese Augenblicke länger genossen.
° Der Gottesdienst in der Pater Noster Kirche auf dem Ölberg mit unserem Weihbischof Ulrich Boom. Dort wo uns Jesus das Gebet „Vater unser“ geschenkt hat. Im Kreuzgang ist das „Vater unser“ auf großen Kacheln in vielen Sprachen geschrieben, auch in aramäisch, der Sprache Jesu.
° Da unser Hotel in Jerusalem auf dem Ölberg lag, hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Bei milden Temperaturen von 25 Grad genossen wir dieses Panorama. Die großen Steinstufen oberhalb des jüdischen Friedhofs luden ein, einfach nur zu staunen. Bei einer guten Flasche Wein genossen wir (die „jüngeren“ unter den Teilnehmern), bis spät in den Abend den Blick auf die Stadtmauer mit dem „Goldenen Tor“, den Felsendom, den Berg Zion – einfach schön.
Was hat mich bedrückt und nachdenklich gemacht:
° Die 8 Meter hohe Mauer, die Bethlehem umgibt.
° Die Kontrolle der Israelis bei unserer Ausreise aus Bethlehem.
° Die Kontrolle durch die israelische Armee auf der Fahrt nach Jericho durch die Westbank. Es ist nicht gerade sehr angenehm, wenn eine Soldatin mit schusssicherer Weste und einem Maschinengewehr in der Hand durch den Bus marschiert. Bei einer genaueren Kontrolle hätten wir nicht sagen dürfen, dass wir nach Jericho fahren. Eine solche Aussage hätte stundenlanges Warten und Kontrollieren zur Folge gehabt.
(Lisa Baumann)
Bei einer Reise ins Heilige Land darf natürlich auch der Besuch der Geburtskirche Jesu in Bethlehem und des Heiligen Grabes in Jerusalem nicht fehlen, doch konnten wir die wirkliche Bedeutung dieser Orte erst im Nachhinein richtig in uns aufnehmen, da wir in langen Warteschlangen und dichtem Gedränge vorangeschoben wurden. In der Geburtsgrotte und am Grab Jesu durften wir nur kurz verweilen, was wir sehr bedauerten.
Sehr beeindruckt hat mich, wie intensiv die Juden (durch einen Lattenzaun streng getrennt nach Frauen und Männern) vor der Klagemauer beten.
Die Via dolorosa, die Straße, die Jesus mit seinem schweren Kreuz gegangen ist, war für mich ein Ort der Gegensätze: Einerseits Kreuz tragende Pilger, die an den verschiedenen Stationen den Kreuzweg beteten, andererseits Gedränge, Eile, viele kleine Souvenirläden und Händler, die Geschäfte machen wollen.
Am Jordan waren wir zwar nicht direkt an der Stelle, an der Jesus von Johannes getauft wurde. Gerne denke ich aber daran, wie Pfr. Cwik das Evangelium von der Taufe Jesu gelesen hat und wir unseren Glauben mit dem Lied „Ich bin getauft und Gott geweiht“ erneuert haben. Auch unserer täglichen Gottesdienste an den verschiedenen Wirkungsstätten Jesu werde ich mich im Laufe des Kirchenjahres bestimmt immer gerne erinnern.

"Auch unserer täglichen Gottesdienste an den verschiedenen Wirkungsstätten Jesu werde ich mich im Laufe des Kirchenjahres bestimmt immer gerne erinnern."Foto: Huppmann
©
Pfarreiengemeinschaft-Heidingsfeld.de